Entropium

  Unter Entropium versteht man das Einrollen eines Lides. In der Regel ist das Unterlid betroffen.

  Solange die Welpen ihre Augen noch geschlossen haben, ist die Lidstellung normal. Nach dem

  Öffnen der Augen kommt es dann aber bald zum Einrollen und damit verbunden zu einer mehr

  oder weniger starken Reizung des Auges. Im besten Fall äussert sich das Entropium nur durch

  vermehrtes Tränen des betroffenen Auges. Es kann aber auch zu Hornhautveränderungen führen

  (Abbildung 1). Im schl msten Fall kommt es zu einem Hornhautgeschwür, welches sogar durchbrechen

  kann, was den Verlust des Auges bedeutet (Abbildung 2). Betroffenen Hunde müssen aus der Zucht

  ausgeschlossen werden, auch wenn sie durch einen operativen Eingriff eine normale Lidstellung

  erhalten haben. Eine solche Operation ist in den meisten Fällen ein leichter Eingriff mit einer guten

  Prognose.

  Ektropium

  Das Ektropium äussert sich durch ein starkes Herunterhängen der Lider (Abbildung 3). Dadurch wird

  die Bindehaut exponiert und die Hunde neigen zu chronischen Bindehautentzündungen. Der Abfluss

  der Tränenflüssigkeit ist nicht gewährleistet und die Lider können ihre Schutzfunktion nicht

  wahrnehmen. Betroffenen Hunde sind daher auch anfällig für Hornhautverletzungen. In ausgeprägten

  Fällen muss ein Ektropium operiert werden. Weil das Ektropium bei vielen Rassen ein typisches

  Merkmal ist, z.B. beim Bloodhound, werden betroffene Tiere nicht von der Zucht ausgeschlossen

  (Abbildung 4).

  Distichiasis

  Unter Distichiasis versteht man Wimpern, welche direkt am Lidrand wachsen, und dadurch ständig

  auf der Hornhaut reiben (Abbildung 5). Dies führt zu vermehrtem Zwinkern und zu Tränenfluss. Oft

  sind die Symptome so gering, dass der Besitzer die Veränderung nicht wahr nimmt. In solchen Fällen

  ist auch eine Behandlung nicht notwendig. Bei stärkerer Reizung können solche Wimpern durch einen

  operativen Eingriff entfernt werden.

  Nasenfalten / Trichiasis

  Die sogenannten brachycephalen Hunderassen zeichnen sich durch einen extrem kurz gezüchteten

  Kopf aus. Zu ihnen gehören die Pekingesen, die Möpse, Bulldoggen und andere.Bei ihnen wurde

  durch gezielte Selektion der Gesichtsschädel verkürzt. Die Weichteile habendiese Entwicklung aber

  nicht im selben Masse mitgemacht. So wirft sich die Haut der Nase in grossen Falten auf (Abbildung 6).

  Die Haare dieser Nasen-, bzw. Gesichtsfalte reiben dauernd auf der Hornhaut dieser Tiere. Die meisten

  von ihnen haben denn auch bereits in jungen Jahren Hornhautveränderungen. Nicht selten kommt

  es bei ihnen zu akuten Hornhautgeschwüren, welche nicht selten durchbrechen, wenn sie nicht

  rechtzeitig und intensiv behandelt werden (Abbildung 7). Da es sich bei dieser Veränderung um ein

  rassetypisches Merkmal handelt, werden von Seiten der Züchter meist keine Massnahmen ergriffen,

  und die Hunde werden zur Zucht zugelassen.

  Hereditären Katarakte  (HC)

  Bei einer grossen Zahl von Hunderassen ist der vererbte graue Star bekannt. Während in einigen

  Fällen nur kleine Teile der Linse davon betroffen sind, sind die Auswirkungen auf das Sehvermögen

  gering (Abbildung 8). In anderen Fällen aber wird die ganze Linse getrübt und der Hund erblindet

  (Abbildung 9). Dann muss versucht werden die trübe Linse operativ zu entfernen und durch eine

  Kunstlinse zu ersetzen (Abbildung 10). Dieser Eingriff ist mittlerweile Routine geworden.Hunde mit

  jeder Form von Katarakt sollten nicht zur Zucht verwendet werden. 

 Collie Eye Anomaly  (CEA)

  Die CEA ist ein angeborenes, erbliches, nicht fortschreitendes Syndrom, bei dem es zu Missbildungen

  der hinteren Gefässe des Auges, der hinteren Bereiche der Augenhüllen (der Sklera, Aderhaut und

  Netzhaut) und der Sehnervenpapille kommt. Symptome der CEA sind Chorioidale Hypoplasie

  (Aderhaut-Unterentwicklung), hintere Kolobome (angeborene oder erworbene Spaltbildung),

  Netzhautablösungen und Einblutungen in das Auge.Der Schweregrad der CEA variiert von

  Veränderungen ohne klinische Relevanz bis zur kompletten Erblindung. Ausserdem können bei

  geringer Ausprägung der Symptome im Alter von sechs bis acht Wochen (bester

  Untersuchungszeitraum), durch die weitere Reifung des Auges und die Entwicklung der Pigmentierung

  die anfänglich noch sichtbaren Missbildungen überdeckt werden. Diese Problematik ist besonders für

  den Züchter interessant.Die Erkrankung tritt beidseitig auf und hat keine Abhängigkeit von

  Geschlecht, Farbe oder dem Merle-Faktor. Die CEA ist bei folgenden Arten bekannt: Kurz- und

  Langhaar-Collie, Sheltie, Australien Shepherds, Border Collie. Als Erbgang wird ein einfacher

  autosomaler rezessiver Erbgang angenommen.

 Progressive Retinaatrophie  (PRA - cord1/ crd4)

  Die Progressive Retinal Atrophy ist eine Erkrankung die man sehr Ernst nehmen muss, da der Hund im

  Alter bis zu fünf Jahren dran erkranken kann.Diese Progressive Netzhautatrophie (fortschreitende

  Rückbildung der Netzhaut) ist auch bei Menschen bekannt. Ein Attest gilt erst ab dem fünften

  Lebensjahr als endgültig.PRA ist mit bloßem Auge nicht feststellbar, ein anerkannter Ophthalmologe

  wird dieses aber durch spezielle Untersuchungen schnell festellen können.PRA ist wie die CEA nicht

  heilbar! Sollte ein Hund befallen sein der als Welpe verkauft wurde, geben Sie ihrem Züchter auf jeden

  Fall einen Hinweis, mit einer eindeutigen Diagnose von einem anerkanntem Ophthalmologen.Ein mit

  PRA befallender Hund ist von der Zucht sofort ausgeschlossen.

  Canine Multi-focal Retinopathy (CMR 1)

  Die sogenannte Canine Multi-focal Retinopathy (CMR 1) ist eine Erkrankung, bei der die Netzhaut

  multiple Läsionen aufweist. Der genaue Verlauf der Erkrankung ist noch nicht vollständig geklärt,

  zudem sind bei den Rassen Unterschiede im Verlauf zu sehen. Im Normalfall zeigen sich die Symptome

  bereits im Alter von vier Monaten,ein Voranschreiten der Symptomatik geschieht danach auch nur sehr

  langsam. In manchen Fällen scheinen die Symptome zu schwanken: Läsionen verschwinden und treten

  zu einem späteren Zeitpunkt erneut auf. Da die klinische Symptomatik der CMR noch immer erforscht

  wird, ist eine abschließende Beschreibung zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich. Gesichert ist

  allerdings, dass betroffene Hunde keine Sehstörungen aufzuweisen scheinen.